Wie man 40.000 Links verschenkt

Gerade bin ich bei der Recherche im Internet auf eine wirklich große Seite gestoßen, die trotzdem einen der einfachsten SEO-Fehler begeht und dadurch 40.000 Links von fast 3.000 unterschiedlichen Domains verschenkt.

Der Grundgedanke dieses Blogposts ist NICHT diese Seite an den Pranger zu stellen. Ich will damit zeigen, dass selbst die "Großen" nicht vor Fehlern gefeit sind. Und ich will damit erreichen, dass mehr von uns "Kleinen" diese Fehler vermeiden. Schließlich würden bei uns der Link-Juice von 40.000 Links bestimmt deutliche bessere Platzierungen bei Google nach sich ziehen cheeky

 

Welche Seite "verliert" 40.000 eingehende Links?

Bei der Seite, um die sich dieser Artikel dreht, handelt es sich um die Webseite des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (http://www.dihk.de)
Hier ist schon einmal die Linkstatistik für www.dihk.de:

Wie man 40.000 Links verschenkt - Linkstatistik www.DIHK.de OpenSiteExplorer

Wie verliert www.dihk.de denn nun 40.000 Links? 

Hand auf's Herz: Wer wusste, was der DIHK ist? Normalerweise sprechen wir doch alle von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Deswegen hatte ich auch http://www.ihk.de in meinen Browser eingegeben und eine Weiterleitung bemerkt. 

Hier ist die Linkstatistik für www.ihk.de: 

Wie man 40.000 Links verschenkt - Linkstatistik www.IHK.de OpenSiteExplorer

  • Fast 40.000 eingehende Links
  • von fast 3.000 unterschiedlichen Domains
  • Domain Authority 77 / 100
  • Page Authority 80 / 100
  • einige dutzend soziale Signale in Facebook und Twitter

Der gelbe Kasten unter der Statistik weißt schon darauf hin: Diese Seite leitet auf www.dihk.de um. 

Soweit so gut, das Problem ist nur, dass dafür ein sogenannter HTTP 302 – Redirect verwenden wurde. Damit signalisiert der Server dem Besucher, dass es sich um eine temporäre Umleitung handelt.

40000 Links durch einen 302-redirect verschenkt

Für Google bedeutet das: Der Link-Juice (also der positive Effekt, den eingehende Links haben) wird nicht an die neue Seite (www.dihk.de) weitergereicht. Um das überdeutlich zu machen: Wenn man einen 302-Redirect verwendet, dann verliert man jeden positiven Effekt, der durch den eingehenden Link entsteht.

Wie man es besser machen kann

Besser (aus Sicht von Google) ist ein sogenannter 301-Redirect – eine echte, permanente Umleitung. Diese dauerhafte 301-Umleitung zeigt Google an, dass ein Umzug stattgefunden hat und Google überträgt dann den Link-Juice von der alten Domain (www.ihk.de) auf die neue Domain (www.dihk.de).

Ich habe das zum Beispiel gemacht, als ich mein Produkt von Termin-Erinnerungen.de in TerminRetter.de umbenannt habe. 

HTTP 301 Umleitung richtig gemacht

Mehr zum Thema kann man in den erstklassigen Unterlagen von SEOMoz lernen: Redirects and SEO 

Im Grunde ist es aber alles ganz einfach, wenn der eigene Webserver mod_rewrite unterstützt: 

Im Root-Verzeichnis der alten Domain (www.ihk.de) eine Datei mit dem Namen .htaccess und folgendem Inhalt anlegen: 

RewriteEngine On
RewriteRule ^(.*)$ http://www.dihk.de/$1 [R=301]

Diese Datei sorgt dafür, dass alle Aufrufe von www.ihk.de auf www.dihk.de umgeleitet werden – mit einer dauerhaften 301-Umleitung.

Das sorgt dafür, dass alle Links in Zukunft auf www.dihk.de zeigen und den Link-Juice an die neue Seite vererben. 

Mehr Fehler auf ihk.de und dihk.de

Der zweite schwere Fehler, den die Administratoren der Webseite begehen, ist dass die Webseiten nicht unter http://ihk.de bzw. http://dihk.de erreichbar sind. Hier fehlt also jeweils das "www." vor der Domain.  

Hier hat sich die Lage im Web in den letzten Jahren dramatisch geändert – vor allem durch das Aufkommen von mobilen Geräten wie Smartphones. Da hier das Eintippen von Text deutlich schwerer ist als auf einer richtigen Tastatur, sparen viele Nutzer sich das "www." vor dem Domainnamen ein. 

Dadurch gehen dem Domaininhaber letztlich alle Nutzer verloren, die die kurze Adresse direkt eingeben. Dagegen fallen die etwa 200 eingehenden Links auf ihk.de bzw. dihk.de schon fast gar nicht mehr auf. 

Die Lösung ist auch hier einfach: In den Einstellungen des Webservers muss einfach die entsprechende Domain erreichbar gemacht werden und dann mit dem oben genannten Skript auf www.dihk.de umleiten. Genau diese Methode wende ich auch bei TerminRetter.de an, das direkt auf www.TerminRetter.de umleitet.

Fazit

Es sind nur Kleinigkeiten, die keine 15 Minuten zur Reparatur benötigen, aber sie führen dazu, dass dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag jeden Tag sicherlich dutzende – wenn nicht hunderte – Besucher entgehen. Der DIHK kann das bestimmt verkraften, aber wir müssen auf sowas achten und dafür sorgen, dass es uns nicht so ergeht. 

Habt ihr andere Seiten entdeckt, die die gleichen Probleme haben? Ist es euch vielleicht selbst schon so ergangen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

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About Christoph

Christoph lives in Munich, Germany and is bootstrapping his own SaaS application as a part-time entrepreneur.

He likes to write on this blog about anything of relevance to single-founder bootstrapped software startups.

Comments

  1. Die haben halt Profis am Werk, die ihr Handwerk verstehen. Dafür steht doch die IHK oder? 😀

    • itengelhardt says

      Hi Daniel. Danke fuer deinen Kommentar.
      Ich seh’s nicht so dramatisch: Die IHK ist gross genug, um das wegzustecken. Aber es kann uns Kleine beruhigen, wenn auch die Grossen schlampen.

      Wuensche dir ein schoenes Wochenende,
      Christoph

      PS: Sorry fuer die fehlenden Umlaute… englische Tastatur

      • Hey Christoph, klar können Sie es verkraften. Aber die IHK ist doch eine “Kammer” wo für Qualität und fachliches Wissen steht. Die IHK ist immer noch nicht ohne www davor erreichbar :D. Jeder 15 jährige Hobby-SEOist weiss wie so etwas geht! 😀

        Wünsche Dir auch ein schönes Wochenende

        Gruss Daniel

        • itengelhardt says

          Ja, leider ist das wirklich eine Sache von 30 Minuten.

          Ich habe dem DIHK auch geschrieben, kurz nachdem ich den Post veroeffentlicht hatte. Leider ist nichts daraus geworden 🙁

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